DYSLALIE
(ARTIKULATIONSSTÖRUNG)

Definition

Der kindliche Erwerb des Lautsystems von der Geburt bis zum Vorschulalter durchläuft verschiedene Entwicklungsstufen. Demnach wird das Lautinventar vom Kind nach und nach aufgebaut. Dabei verläuft die Entwicklung von motorisch leichter zu realisierenden Lauten (z.B. [m]) zu Lautverbindungen mit komplexer mundmotorischer Koordination (z.B. [∫tr]). Der Erwerb des Lautsystems sollte allerdings im Vorschulalter abgeschlossen sein. Ist dies nicht der Fall, spricht man von einer Dyslalie, die fehlerhafte Bildung eines Sprachlautes.

^Symptome

Grundsätzlich gibt es zwei grob unterscheidbare Fehlerquellen, die durchaus gleichzeitig auftreten können. Entweder werden ein oder mehrere Laute nicht richtig gebildet, oder Kinder kennen noch nicht die Regeln zur Lautbildung. Dabei kommt es zu verschiedenen Fehlerarten:

Ursachen

Die Ursachen einer Dyslalie können unterschiedlich sein. Grundsätzlich können die möglichen Ursachen folgenden vier Bereichen zugeordnet werden, wobei es auch zu Überschneidungen verschiedener Ursachen kommen kann (siehe folgende Abbildung in Anlehnung an Grohnfeldt 2001, Band 2, S.28 ff).

Soziokulturelle Ursachen Organische Ursachen Erbliche Ursachen Psychische Ursachen

Veränderte Bedeutung von Sprache als Kommunikations-
mittel

Das direkte zwischenmenschliche Gespräch kommt in unserer Gesellschaft zunehmend zu kurz.

Neue Kommunikationsmittel (Fernsehen, Video, Computer) verdrängen unmittelbare Sprechsituationen wie u. a. Geschichtenvorlesen.

Gesellschaftliche Normen und Wert-
vorstellungen

Gleichzeitig ist der Anspruch, gut zu sprechen, in unserem Kulturkreis sehr hoch. Eine erfolgreiche Schullaufbahn etwa stehen in direkter Abhängigkeit zu den sprachlichen Fähigkeiten des Kindes.

Sprachanregungen und Zweisprachigkeit

Ungünstige Bedingungen bei mehrsprachiger Erziehung oder schwierigen Lebensumständen können eine Sprach- oder Sprechstörung bedingen.

Missbildung der Sprechwerkzeuge

Missbildungen oder operative Veränderungen der Artikulationsorgane und Kiefer- und Zahnanomalien

Hör- und Sinnesstörungen

Zentrale und/oder periphere Hörstörungen, so dass die Wahrnehmung der Sprachlaute beeinträchtigt ist. Motorische Störungen u. a. Spastik oder Entwicklungsdyspraxie

Neurologische Störungen

Neurologische Störungen, wodurch die für die Aussprache notwendigen zentralen Verarbeitungsprozesse gestört wurden.

Familiäre Sprachschwäche-
veranlagung

Sprach- und Sprechstörungen können nicht wie andere Merkmale des Menschen vererbt werden.

Durch die Erbanlagen kann aber sehr wohl eine allgemeine familiäre Sprachschwäche das Auftreten einer Sprachstörung begünstigen.

Vererbbare Krankheiten

Vererbbare Krankheiten, die mit einer Sprech- oder Sprachstörung einhergehen.

Störungen der
Familien-
interaktion

Störungen der Familieninteraktion kann durch Trennung der Eltern, Geschwisterrivalität oder längere Trennungen von der Familie verursacht werden.

Neurotische Fehlentwicklung

Neurotische Fehlentwicklungen des Kindes können ebenfalls die Sprach- und Sprechentwicklung ungünstig beeinflussen.

Erziehungs-
unsicherheiten

Überbehütung oder Inkonsequenz sind Formen von Erziehungsunsicherheiten.

[Abbildung in Anlehnung an Grohnfeldt 2001, Band 2, S.28 ff]

^Diagnose und Therapie

Oft werden die betroffenen Eltern auf die fehlerhafte Aussprache ihres Kindes aufmerksam, indem sie es mit gleichaltrigen Kindern vergleichen. In der Regel ist dann der Kinderarzt der erste Ansprechpartner. Dieser überweist das Kind zur genaueren Diagnostik an einen Logopäden. Dies kann bereits vor dem 4. Lebensjahr geschehen, das ansonsten als Faustregel für eine Erstvorstellung gilt. Der Logopäde testet mit Hilfe spezieller Diagnostikverfahren (z.B. AVAK) die Aussprache des Kindes sowie Art und Ausmaß der Artikulationsstörung.

Im Anschluss an die Diagnostik werden die Eltern darüber informiert und hinsichtlich der weiteren Vorgehensweise beraten. Dabei erfahren Sie auch, wie Sie ihre Kinder im Alltag sinnvoll unterstützen können.

In den folgenden Therapiesitzungen werden nach verschiedenen Kriterien betroffene Sprachlaute einzeln ausgewählt, die für eine Weile im Mittelpunkt sein werden. Je nach Schwerpunkt der Störung geht es dann um die gezielte Anbahnung dieser Laute auf Laut-, Wort- und Satzebene bis schließlich die Anwendung in der Spontansprache des Kindes geübt wird.

 

^Literatur

Bücher:

Broschüre:

 

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